Das Wort des Abends war “Ultrabook”, ganz zweifelsohne. Alle Acer-Repräsentanten hatten dieses Wort im Verlauf der Presseveranstaltung mindestens zwei- bis dreimal in den Mund genommen. “Ultrabook”, eine Notebook-Klasse zwischen Netbook und Notebook, leistungsstark und doch mobiler als jedes Normalo-Gerät – braucht man das (noch)?

Acer hatte den Abend angekündigt, viele Neuerungen zu zeigen. Sie hielten Wort. Doch der richtige Kracher, eine Revolution im PC oder Mobilmarkt, blieb aus. Leider, oder vielleicht doch nicht? Natürlich sind die Neuerfindungen des Rades immer spektakulär, doch konsequente Weiterentwicklungen erfolgreicher Produkte haben einige Hersteller viel zu selten auf der Tagesordnung. Und so tummelte sich zwischen neuen Tablets mit Android, Notebooks mit längeren Laufzeiten und weiter entwickelten REVO-PCs, prädestiniert für den Anschluss an den heimischen HD-Fernseher, doch noch mein persönliches Highlight des Abends – das Acer Aspire S5, eben eines dieser vielbenannten Ultra-Books.
Fangen wir mit den technischen Spezifikationen an, wenn man diese so nennen darf, denn es wird – interpretiert man alle Aussagen und die Informationen aus der Pressemappe richtig – nicht DAS EINE Acer Aspire S5 geben, sondern eine Serie mit verschiedenen Leistungsdaten. Die setzen auf Intel-Core-Prozessoren. Es ist zu erahnen, dass es sich um i5 und i7-Prozessoren handeln wird. Alle Modelle werden daher mit ziemlicher Sicherheit DDR3-Speicher mit 1333MHz Takt in sich tragen, im Gegensatz zum Aspice S3 wird das S5 ausschließlich mit SSD-Flash-Speicher geliefert werden. Das 13,3-Zoll-Display könnte gegenüber dem Vorgänger gleich geblieben sein. Grafisch baut das Acer-Gerät sicherlich wieder auf Intels integrierte Lösungen ohne dedizierten Speicher, auch wenn dies bisher nirgend Erwähnung findet. Auf dieser Plattform werkelte am Vorführgerät ein Windows 7 auf 64Bit-Basis.
Ein normales Notebook, könnte man meinen. Wären da nicht die restlichen Spezifikationen, die sich mehr um die Maße ranken. Das schon erwähnte 13,3-Zoll Display hieß im Vorgänger “HD ACC LED Super-Slim”, ein neuer Superlativ für “ziemlich flach” und könnte wieder verbaut sein. Die maximale Höhe des geschlossenen Geräts beträgt 15mm, Breite und Tiefe entsprechen etwa den Ausdehnungen eines DIN-A4-Blatts. Das Gewicht ist mit 1,3 Kilogramm Handtaschen-Tauglich.
Ein Kuriosum ist der “Magic-Flip” des S5. Da das Gerät für HDMI-, USB 3.0- und Thunderbolt-Port zu flach ist, fahren die Schnittstelle auf Knopfdruck aus, indem sich auf der Rückseite ein Teil des Gehäuses um 90 Grad dreht und das Gerät leicht aufstellt und die Schnittstellen freilegt. Der in meinen Augen eigentliche Vorteil dieser Technik liegt allerdings darin, endlich mal wieder alle wichtigen Schnittstellen hinter einem Gerät zu haben, und nicht an der Seite. Außerdem sind die Ports vor Umwelteinflüssen – sprich Staub – geschützt, wenn das Gerät unterwegs im Einsatz ist und der Flip eingefahren bleibt. Der Nachteil liegt ebenfalls auf der Hand: Was sich bewegt, kann auch kaputt gehen.
Acer legt großen Wert darauf, dem Gerät sein schnelles Aufwachen aus dem Standby zu attestieren. Mit 1,5 Sekunden ist diese Zeit tatsächlich vernachlässigbar kurz. Allerdings können sich dieses Feature seit der Einführung von Windows 7 einige Geräte auf die Fahnen schreiben, die extrem langen Aufwachzyklen vorangegangener Windows-Versionen sind generell passe. “Acer Always Connect” soll den Benutzer schneller ins Internet bringen, praktisch direkt nach dem Aufwachen des Geräts. Ein besonderer Vorteil für Twitterer, Facebooker und alle Social Networker, so die Pressemappe.
Es lag in der Luft, und doch wagte keiner es auszusprechen. Da einer es aber machen muss, presche ich nun vor: Das Acer Aspire S5 ist ein Frontalangriff auf Apples MacBook Air. Wer partout keinen Apfel haben möchte, der ist nicht schlecht beraten, sich das Acer genauer anzuschauen, sobald es am Markt verfügbar sein wird. Die Leistungsdaten sind vergleichbar, die Akkulaufzeit ist vergleichbar. Und leider, so ist zu befürchten, wird auch der Preis vergleichbar sein. Acer täte gut daran, dem Aspire S5 einige Features zu spendieren, die Apple in seinem MacBook Air nicht vorhält. So ist bei einem solchen Gerät integriertes UMTS eigentlich Pflicht, besonders wenn man auf die Zielgruppe der “Always on” schielt. Eine höhere Akkulaufzeit wäre sicherlich für viele ebenfalls ein Kaufargument, so dass ein durchschnittlicher Arbeitstag ohne Ladegerät durchschritten werden kann. Und natürlich ist der Preis für viele, gerade jüngere Benutzer, das eigentliche Kaufkriterium.
Wie genau sich das S5 positionieren wird, werden wir wissen, wenn Acer Ende des ersten Quartals mit den Geräten in den Markt gehen wird. Wir warten gespannt.