Klick, Klick, Mist: Immer, wenn ich schnell schreibe und in hektischer Folge die Tasten an meiner alten Funktastatur drücke, meint es das alte Modell ein wenig zu gut und gibt direkt noch mehr Zeichen aus, als ich eigentlich auf dem Bildschirm sehen will. So mischen sich zwischen meine Zeilen lustige neue Worte. Das mag zwar den kreativen Geist beflügeln, doch für gewöhnlich möchte ich auch das auf dem Papier oder Bildschirm stehen sehen, was ich habe schreiben wollen. Da traf es sich gut, dass ich ohnehin noch eine Tastatur testen wollte. Ich durfte das gute Stück schon auf seiner Präsentation in Hamburg bewundern, doch ein Foto- und Vorstellungstermin ist nunmal etwas anderes als ein ausgiebiger Test. Und so flatterte mir die Logitech K750, die erste Funktastatur von Logitech mit ausschließlichem Solarstrombetrieb, als Testmuster ins Haus.

Wie testet man eine solche Tastatur? Welche Kriterien legt man an? Nun, ich entschied mich für folgendes Vorgehen: Zuerst einmal ist die Funktionalität der Tastatur gefragt. Jeder noch so gute Umweltgedanke ist ganz schnell zunichte, wenn das Gerät erst gar nicht funktioniert oder im Betrieb ständig Probleme macht. So ist die Funktion zwar nicht alleinig ausschlaggebend für ein gutes Testergebnis, kann aber ganz alleine für ein vollständiges Durchfallen sorgen. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so extrem, verhält es sich mit der Installation. Klappt die einwandfrei? Oder ist erst ein Computerstudium notwendig, um das Wunderwerk zum Laufen zu bewegen?

Deutlich weichere Kriterien sind das Aussehen und die subjektive Wertigkeit der Tastatur, und schließlich natürlich die tatsächliche Umweltbilanz, wobei wir diese in der Redaktion nur erahnen, jedoch nicht belegen können. Zum Schluss soll die Abwägung stehen, ob der Preis für das Gebotene gerechtfertigt ist.

Die Installation
Beim Auspacken der Tastatur hat man nicht viel zu beachten, eine Kurzanleitung der Installationsprozedur ist in der Klappe des Kartons aufgedruckt. Danach soll die Installation extrem einfach sein: Empfänger im laufenden Rechnerbetrieb in den USB-Port stecken, Tastatur einschalten, fertig. Was soll ich sagen, genauso funktioniert es. Der USB-Empfänger, der einen USB-Port blockiert, macht weder am Windows-Rechner unter Windows Vista Probleme, noch am Mac bei aktualisiertem Betriebssystem. Der Mac verlangt lediglich den Druck einer bestimmten Taste, um die Tastatur und ihr Layout zu identifizieren. Eine Installation von Software ist nicht notwendig. Auch die Sondertasten funktionieren, ebenfalls fast alle auch auf dem Mac.

Nur unter Windows 7 tritt ein leicht anderes Verhalten auf. Nach einiger Ladezeit möchte Windows plötzlich Software installieren. Instinktiv verweigere ich die Installation der Software. Die Tastatur funktioniert dennoch einwandfrei. Diese automatisch angestoßene Installation ist der einzige Wermutstropfen in einer sonst einwandfreien Prozedur, die wirklich nur wenig Platz für eine fehlerhafte Treiberinstallation gibt. Den Test hat das Solar-Flagschiff von Logitech fast perfekt durchschifft.

Deutlich komplizierter wird es, wenn bereits Geräte von Logitech vorhanden sind, die am gleichen Universalempfänger angemeldet werden sollen. Ähnlich wie bei Bluetooth müssen Gerät und Empfänger gepaart werden. Dieser Vorgang wurde bei “alten” Logitech-Geräten mit einem Knopf an einem meist klobigen Empfänger und dem eigentlichen Eingabegerät ausgelöst. Die neuen Universal-Empfänger, die so klein sind, dass sie beinahe im USB-Port verschwinden, müssen per Software in den paarungswilligen Zustand versetzt werden. Und die wiederum muss erst einmal installiert werden. Das stört mich ungemein, ich möchte kein Softwarepaket installieren müssen, um eine Tastatur und eine Maus in Betrieb zu nehmen. Die Software selbst verhält sich dann unkompliziert, auch wenn sie auf der Logitech-Seite gerne präsenter angeboten werden dürfte. An dieser Prozedur – Download, Installation, Pairing – könnte der blutige Computeranfänger erstmalig scheitern.

Und natürlich stellt sich die Frage, warum Logitech auf den eigenen Empfänger setzt und nicht auf das Bluetooth-Protokoll aufsetzt. Es gab bereits hervorragende Produkte von Logitech, die per Bluetooth kommunizierten, doch der Konzern schickt lieber seinen eigenen Empfänger ins Feld. Begründet wird das mit stabileren Protokollen, besseren Leistungen und weniger Stromverbrauch. Gerade der letzte Punkt ist natürlich bei einer Solartastatur wirklich wichtig und daher auch durchaus nachvollziehbar. Dass Bluetooth hingegen Lizenzkosten verursacht, während die eigene Entwicklung sich sehr schnell amortisieren dürfte, wird hingegen weniger gerne argumentiert. Den einzigen wirklichen Vorteil allerdings haben Benutzer, die die Tastatur bereits vor Laden des Betriebssystem benötigen. Hier hat Bluetooth keine Chance, der Logitech-Empfänger hingegen verhält sich wie eine kabelgebundene Tastatur. Wer also auf den blockierten USB-Port verzichten kann, dem entstehen hier keine Nachteile.

Die Funktionalität
Einmal angeschlossen, freue ich mich über eine endlich wieder funktionierende Tastatur und bin über den Anschlag mehr als positiv überrascht. Denn trotz der extrem geringen Bauhöhe vermitteln die Tasten nicht das Gefühl, auf einer Notebooktastatur zu schreiben. Der Hub der Tasten ist erstaunlich hoch, ich empfinde das als sehr angenehm! Die Tasten selbst sind in der Mitte leicht gewölbt. Dies soll den Fingern eine bessere Auflage und ein direkteres Anschlagsgefühl geben. Hatte ich diese Aussagen bisher mehr für ein Marketing-Spruch gehalten, werde ich nun eines besseren belehrt, tatsächlich fühle ich mich auf dieser Tastatur irgendwie “heimisch”.

Ich versuche, die Tastatur zu provozieren, schreibe schnell, drücke mehrere Tasten gleichzeitig, in der Hoffnung, dass sich ein Unterschied zu einer Kabeltastatur zeigt. Doch ich muss mich geschlagen geben, sie macht alles mit. Nun muss die Tastatur beweisen, wie sie sich im Alltag schlägt.

Wenige Tage später: Die K750 hat sich inzwischen mit mir angefreundet. Wir bestreiten zusammen den Büroalltag. Heute allerdings ist es besonders hektisch. Ich muss schnell einige Dinge fertig schreiben. In solchen Situationen fange ich an, auf die Tasten einer Tastatur einzuschlagen. Es gab durchaus schon Kollegen, die sich trotz Wände zwischen den Arbeitsplätzen über das Geräusch beschwert haben. Die Logitech hingegen bleibt gelassen leise. Und dennoch muss sie hier ihren ersten, großen Kritikpunkt einfahren: Bei zugegeben mächtig festem Anschlag klappert sie! Dies kommt allerdings nicht von der Tastatur selbst, sondern von den zwei kleinen Stehbeinen, mit der die Tastatur in einen steileren Winkel gestellt werden kann und zum komfortablen Schreiben auch muss. Hat meine alte Tastatur hier zwei Beine, die ihr mehrere Zentimeter Auflagefläche bieten, so steht die K750 auf zwei kleinen Punkten, und die werden bei meiner harten, aber realistischen Benutzung instabil. Das darf nicht sein! Ob hier ein drittes Beinchen oder aber eine veränderte Mechanik hilft, vermag ich nicht zu sagen.

Der Tag neigt sich dem Ende und nach langer Zeit gelüstet es mich wieder einmal, diversen Monstern und Onlinegegnern zu zeigen, wer der Chef in der digitalen Arena ist. Zum ersten Mal seit langer Zeit kann ich die Tastatur wieder vollkommen frei positionieren, die hohe Reichweite des Funkempfängers und die geringen Mafle der Tastatur lassen sie in gamingtypischer Schräglage perfekt auf meinem Schreibtisch Platz finden. So wird mein digitales Waffenarsenal neben diversen Rifles, Messern und großkalibrigen Handfeuerwaffen durch die K750 ergänzt. Sie schlägt sich hervorragend. Die Verzögerung des Anschlags ist praktisch nicht spürbar, mehrere gleichzeitig gedrückte Tasten verarbeitet das Gerät ebenfalls in richtiger Reihenfolge und mit dem perfekten Timing. Ich kann beim besten Willen kein Unterschied zum drahtgebundenen Modell feststellen. Das noch beim intensiven Arbeiten festgestellte Klappern der Tastatur kann ich nicht mehr bestätigen.

Alles in allem habe ich die Tastatur nun über einen Monat auf meinem Schreibtisch. Neben der Tatsache, dass mir in dieser Zeit nie der Strom ausgegangen ist, schlägt sich die Tastatur in der Funktionalität ganz hervorragend. Ich bin fast schon beruhigt, mit den erwähnten Standbeinen einen kleinen Kritikpunkt gefunden zu haben, so dass für eine Optimierung noch Luft “nach oben” bleibt. Denn sonst müsste ich der Tastatur in dieser Disziplin ausschließlich Bestnoten geben. Und dennoch reicht es für eine Top-Empfehlung.

Das Aussehen – Wertigkeit
Ja, sie macht einen edlen Eindruck, die Logitech K750. Besonders mit eingeklappten Füflen liegt sie flach auf dem Schreibtisch, der weiße Rand und die abgerundeten Ecken heben die Klavierlackoptik noch einmal hervor. Während sie auf meinem hellen Holzschreibtisch im Büro elegant unscheinbar daherkommt, fällt sie auf dem heimischen, dunklen Holztisch richtig auf, und das nicht negativ. Fast distanziert sie die anderen Geräte, die trotz moderner Optik beinahe ein wenig billig wirken.

Dass die Tasten der K750 aus mattem Plastik bestehen, während die sonstige Oberfläche glänzt, stört erstaunlich wenig das einheitliche Bild. Ganz anders allerdings sieht es mit den für eine Tastatur nun einmal nicht untypischen Fingerabdrücken aus. Jede noch so kleine Berührung verewigt sich bis zum nächsten Putzen. Und noch einen Nachteil hat die Optik: Erstaunlich häufig kam es am Schreibtisch vor, dass die Sonne durchs Fenster mich blendet, weil sie sich in der Glanzoptik spiegelt. Da die Tastatur in einem aufgestellten Winkel zu mir steht, ist dieses Szenario gar nicht so unwahrscheinlich, wie es scheint, auch meine Kollegen an anderen Tischen wurden von der plötzlichen Sonnenflut überrascht.

Durch die Glanzoptik passen sich die Solarzellen gut in die Tastatur ein, sie sind weiterhin sichtbar, aber stechen nicht aus der Optik hervor. Negativ dagegen fällt mir die Smilie-Taste auf: Durch einen Druck dieser Taste signalisiert eine LED entweder in grün, dass der aktuelle Lichteinfall zur Versorgung der Tastatur ausreicht, oder in rot, dass die Tastatur nun auf die Pufferbatterie zugreifen muss, die ständig durch Solarstrom nachgeladen wird und nach Herstellerangabe dann bis zu vier Monate Schreiben in Dunkelheit ermöglicht. Diese Zeitspanne zeigt bereits, selbst wenn sie geschönt sein sollte, wie unnötig eine entsprechende Überwachung ist. Dass die Tastatur einen Ein- und Ausschalter hat, dürfte ebenfalls einer grundsätzlichen Entscheidung geschuldet sein, weniger der Notwendigkeit.

Und noch ein negativer Punkt fällt mir auf: Im Randbereich der Solarzellen genügt ein kleiner Druck, damit sich die Tastatur ganz leicht biegt. Bewusst habe ich diesen Punkt nicht in der Funktionalität kritisiert, denn dort stört dieses Verhalten nicht. Vermutlich würde es auch gar nicht auffallen, wenn nicht gerade die Glanzoptik durch verzerrte Spiegelungen ganz schnell selbst kleinste Veränderungen der Oberfläche preisgeben würden. So allerdings fühlt sich der anspruchsvolle Käufer nicht vollends in seinem Qualitätsanspruch befriedigt.

So muss ich sagen, dass das Design der Tastatur die größten Kritikpunkte am Gesamtbild zulässt. Doch es ist eine Kritik auf besonders hohem Niveau. Immer noch bewerte ich das Design als wirklich gut.

Der Umweltaspekt
Mal ehrlich: Wie oft habe ich in den letzten Jahren die Batterien meiner alten Funk-Tastatur gewechselt? Ich denke, das nun lange Leben der Tastatur haben maximal 10-14 Batterien begleitet. Das sind 10-14 Batterien zuviel, sicherlich. Doch rechtfertigt das alleine den Kauf einer neuen Tastatur, die ja auch in der Herstellung der Umwelt auf der Tasche liegt? Und warum kann man nicht einfach zum drahtgebundenen Modell greifen, wenn die Umwelt der ausschlaggebende Faktor für die Wahl der Tastatur ist?

Die Antwort ist zweigeteilt: Ja, richtig. Wer es wirklich ganz ernst nimmt mit der Umwelt, der verzichtet auf Funk und Komfort und schafft sich eine Tastatur an, die am USB-Port mit Strom versorgt wird. Wer sich allerdings in der Moderne der Technik wiederfinden möchte, der kann guten Gewissens zur Solartastatur greifen. Wir können die tatsächliche Umweltbilanz schwer einschätzen. Die Verpackung der Tastatur ist umweltfreundlich, klein und aus Pappe gestaltet, die Tastatur selbst aus Kunststoff. Der Herstellungsprozess selbst ist überhaupt nicht kalkulierbar.

Aber die Tastatur gibt ein Statement aus: “Wir sparen Energie, und sei es auch nur ein ganz kleines bisschen! Und wir unterstützen eine Entwicklung, die in ihrer jetzigen Wirkung vielleicht noch nicht den gewünschten Effekt bringt, in Zukunft aber ein wichtiger Umweltbaustein werden könnte. Funktastaturen aller Büros, vereinigt Euch und tankt Solarstrom!”

Empfehlung
Ich bleibe bei meiner ersten Einschätzung, die ich schon beim Vorstellungstermin der Tastatur kundgetan hatte: Die Logitech K750 verdient einen Platz auf modernen Schreibtischen. Sie ist vor allem für denjenigen Faulpelz geeignet, der den Komfort einer schnurlosen Tastatur nicht missen, aber auch nie in die Verlegenheit kommen möchte, verzweifelt nach neuen Batterien zu suchen. Dazu sieht sie einfach gut aus, ist auch auf modernen und durchgestylten Schreibtischen nicht vollkommen fehl am Platz.

Mit einem Straßenpreis von unter 70 Euro ist die Tastatur deutlich preiswerter, als ich das von einem visionären Flagschiff erwartet hätte. Und dennoch gehört sie damit nicht zu den preiswertesten Tastaturen. Ist der Preis gerechtfertigt? Das muss jeder selbst entscheiden, ich finde ihn absolut angemessen für die gebotene Leistung.

Ich spare mir eine Benotung oder eine Prozentwertung, sondern rate jedem, der eine neue Tastatur kaufen möchte, sich zu überlegen, ob die aufgerufene Summe den persönlichen Komfort wert ist. Meine Tastatur jedenfalls hat sich hier gut eingelebt, sie wird nur sehr schweren Herzens meinen Schreibtisch verlassen.