Logitech wird Grün. Mit der K750 Tastatur stellt Logitech eine neue Tastatur vor, die die internen Akkus per Solarzellen auflädt.

Ich habe mit vielem gerechnet, als die Firma Logitech zum Presse-Event lud. Eine 3D-Webcam vielleicht? Eventuell eine Maus, die nicht nur auf jeder Oberfläche, sondern ganz ohne Oberfläche im freien Raum funktioniert? Oder aber ein eigenes Netbook, wo doch gerade praktisch jeder Hersteller aus unerfindlichen Gründen sich an diesem Markt probiert? Ich glaube, die Enttäuschung war mir im Gesicht anzusehen – vorgestellt wurde eine neue Tastatur. Was aber soll man an einer Tastatur noch groß verbessern können? Die K750 gibt eine mögliche Antwort.

Das durchaus schicke Gerät funktioniert nämlich über Funk, benötigt dafür aber keine Batterien, sondern läuft ganz alleine nur mit Solarstrom. Eine durchschnittliche Bürobeleuchtung reicht vollkommen aus, nicht nur die Tastatur zu betreiben, sondern auch ein internes Akku zu laden, das wiederum die Tastatur bis zu (angeblichen) vier Monaten in Dunkelheit mit Strom versorgt. Sollte diese Angabe auch ein wenig geschönt sein, kurzzeitige Dunkelphasen halten den eifrigen Schreiber nicht von der Arbeit ab.

Die Tastatur, die auf dem Event bereits in der finalen Version vorlag, wenn auch mit schweizer Tasten-Layout, macht einen wertigen Eindruck. Die Solarzellen fallen an der oben gelegenen Fläche erst auf den zweiten Blick ins Auge. Dem einen oder anderen könnte die Tastatur beinahe zu “rund” und spiegelnd in Oberfläche und Form sein, sie kehrt eine gewisse Exklusivität gewollt nach außen. Die Tasten selbst haben einen kurzen Hub, bei einer Tastaturdicke von ausgewiesenen sieben Millimetern bleibt auch gar nichts anderes übrig. Notebook-Nutzer brauchen sich so nicht groß umzugewöhnen.

Technisch angeschlossen wird die Tastatur über den Unified-Empfänger von Logitech, also wieder nicht per Bluetooth. Mindestens ein USB-Port wird so blockiert, der zugegeben kleine Empfänger kann bis zu sechs Logitech-Geräte verwalten. Der zu hohe Stromverbrauch für Bluetooth mag vor dem Hintergrund der Solar-Tastatur das erste mal als Grund wirklich akzeptabel sein. Ein Makel bleibt diese Abkehr von Bluetooth für mich als Notebook-Besitzer allemal.

Offiziell ist die Tastatur eine reine PC-Tastatur, dass sie wie die meisten Tastaturen auch am Mac dennoch funktionieren müsste, ist ein offenes Geheimnis. Die beigelegte Software, die Stromverbrauch und Ladezustand anzeigt und deren direkter Nutzen zumindest in Zweifel gezogen werden darf, funktioniert natürlich ausschließlich auf Windows-Systemen. Die Tastatur ist bereits verfügbar, allerdings nur über den Logitech-eigenen Shop, wo das Gerät für 79.99 Euro inkl. Versandkosten den Besitzer wechselt. Im Handel wird die Tastatur offiziell erst im nächsten Jahr verfügbar sein.

Stellt sich die alles entscheidene Frage: Lohnt die Anschaffung? Sowohl das Lager der Befürworter als auch die Gegner haben gute Argumente. 79.99 Euro für eine Tastatur sind immer eine Menge Geld, für eine gute Funk-Tastatur allerdings wieder ein vernünftiger Preis. Sind ein gespartes Batterienpaar in zwei oder drei Jahren ein Argument, um eine Tastatur – mit all ihrem energetischen Produktionsaufwand – auszutauschen, obwohl das alte Modell noch funktioniert? Das darf bezweifelt werden. Und wer eine Tastatur ohne Batterien möchte, kann ja auch immer noch zu kabelgebundenen Modellen greifen. Dass der Funktransfer hingegen abhörbar ist, ist mehr theoretischer Natur, dass allerdings die Aktivität einer Tastatur allgemein detektiert werden kann, ist wieder realistisch.

Diese Tastatur ist daher nicht für Leute gemacht, die ernsthaft über Umwelt und Energie nachdenken, es sei denn, es geht um die Anschaffung eines neuen Rechners, und auch da dürfte die Kabeltastatur die Nase vorn haben. Nein, diese Tastatur ist für den verwöhnten Faulenzer gemacht, der den Komfort einer Funktastatur nicht missen möchte, sich aber noch lebhaft an den Augenblick erinnern kann, an dem im gesamten Büro kein paar neues Batterien auffindbar war, und schließlich wütend die Funktastatur dem verstaubten Kabelmodell aus dem Schrank weichen musste. Und dieser Personenkreis ist keine kleine Gruppe, im Gegenteil. Daher werde ich nun schauen, dass ich schnellstens ein Modell mein Eigen nenne…