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Posted 5. Januar 2012 by Shu in Artikel
 
 

SonyEricsson XPERIA Active – Mein Fazit

Xperia Active
Xperia Active

Warum habe ich das nur getan? Hatte ich in der letzten Folge dieses Tests noch bemerkt, dass die Schönwetterlage des Novembers einen wahren Outdoor-Test kaum möglich macht, meinte es der Dezember wohl “besser” und bescherte uns ein Test-Szenario, das wechselhafter kaum hätte sein können. Zwischen ausgiebigem Regen mischte sich die eine oder andere Schneeflocke, die Temperaturen schwankten zwischen angenehmen 10 Grad Celsius und eisigen 0 Grad mit Glättegefahr. Traumhaft ist so ein Wetter nicht für Radkuriere, und auch meine Kollegen von rhn.de schickten das eine oder andere Stoßgebet gen Himmel, der Winter möge doch frühzeitig weichen.

Das Sony Ericsson XPERIA Active allerdings soll, glaubt man den Werbeversprechen, genau hier zuhause sein. Schwer zu glauben, denn mein HTC Wildfire hat sich im leichten Nieselregen bisher gut geschlagen, doch das Versagen des nassen Touchpads macht das Gerät im Freien praktisch unbrauchbar, sobald die fallenden Tropfen zu einem ausgewachsenen Regen werden. Das SE XPERIA Active verspricht hier Abhilfe. Erste Tests haben gezeigt, nicht zu Unrecht. Bis auf die nervösen “Zuckungen”, die immer mal wieder auftreten und schon im ersten Test aufgefallen waren, scheint das Display den Regen und die Nässe einfach zu ignorieren. Die harte Wirklichkeit bestätigt dies eindrucksvoll. Hänger hatten das und damit meine Arbeit aufgrund des Displays nie. Auch der große Temperaturunterschied durch den ständigen Indoor und Outdoor-Wechsel bringen das Telefon nicht aus der Ruhe.

Wie genau trägt man allerdings ein Smartphone in klirrender Kälte? Sony Ericsson gibt dem Gerät eine Tasche mit, die um den Oberarm gebunden werden kann. Um das Telefon in diese Tasche zu bekommen, ist einige Kraftanstrenung notwendig, die schon ein großes Vertrauen in die Verarbeitungsqualität voraussetzt, von Tasche und von Mobiltelefon. Durch ein in die Tasche eingelassenes Polster, dessen Dicke die des Telefons selbst beinahe übersteigt, prangert ein gut 4-5 Zentimeter großer Aufbau am Arm. Das Display lässt sich durch die Tasche weiterhin bedienen, die große Sensitivität des Touchpads geht allerdings verloren.

Ob es wirklich vorgesehen ist, dass man das Polster der Tasche entfernen kann, sei dahingestellt. Durch einen Klettverschloss allerdings ist es möglich. Die Tasche ist nun deutlich flacher, das Telefon bekommt ordentlich Luft und sitzt alles andere als sicher in der Tasche, sondern wackelt hin und her, auch wenn ein Rausrutschen unmöglich ist.

Zudem ist die Tasche so gearbeitet, dass sie das Gerät umschließt. Der Anschluss von Kopfhörern ist daher nur unter Inkaufnahme des Abbrechens des Anschlusses oder der Anschlussbuchse möglich. Zugegeben, im Test ist dies nicht passiert. Aber eine intelligente Kabelführung ist schlicht nicht vorhanden.

Was der Tasche allerdings endgültig den finalen Gnadenschuss gibt, ist die Tatsache, dass das Plastik bei Feuchtigkeit von innen beschlägt. Damit ist ein schnelles Ablesen des Displays unmöglich, die Tasche damit vollkommen unbrauchbar. Meine Lösung: Ein Streifen selbstklebendes Klettband auf die Rückseite des Telefons, das Gegenstück am Rucksack und eine Fangleine zur Sicherung: Fertig ist die mehr oder minder perfekte Halterung.

Wenden wir uns wieder dem Gerät zu und stellen fest: Temperaturen von inzwischen -1 bis +25 Grad (Urlaub in Marokko) sind ideal, selbst wenn noch Fahrtwind hinzukommt. Nässe tut dem XPERIA Active gar nichts, und drei kleinere Stürze haben inzwischen zwar Kratzer in der Plastikummantelung hinterlassen, aber nicht zur Beeinträchtigung des Gerätes geführt. Für den Kuriereinsatz gibt es nur Abzüge in der Akkuleistung und den teilweisen Aussetzern des Displays. Letztere sind nicht zu unterschätzen. Bei aller Kritik sei allerdings festgestellt, dass es zurzeit schlicht keine Alternativen auf dem Markt der zuverlässigen Outdoor-Handys gibt. Schon daher kann ich dem Active eine klare Empfehlung aussprechen. Das Telefonieren im strömenden Regen ist zu einer solchen Selbstverständlichkeit geworden, dass ich mich sehr disziplinieren muss, dies meinem HTC nicht ebenfalls anzutun.

Nebenbei gesagt: Die groß beworbenen Sporteigenschaften des Active habe ich ebenfalls getestet und bereits auf den ersten längeren Joggingstrecken für absolut unzureichend empfunden. Das hat einen sehr trivialen Grund: Das Telefon ist für einen solchen Einsatz viel zu groß und zu schwer. Wer nicht unbedingt sein Mobiltelefon beim Läufen ohnehin dabei haben muss, der ist mit Mini-USB-Player und Garmin Forerunner (meine bevorzugte Kombination) deutlich besser beraten. Und für ausgedehnte Radtouren und deren Aufzeichnung und Auswertung, ihr ahnt es schon, ist der Akku die Achillesferse des Gerätes. Das allerdings soll die Bewertung nicht schmälern.Den urbanen Härtetest hat das Gerät gemeistert, ohne “wenn” und mit wenig “aber”.

Wir danken getgoods.de für die umfangreiche Teststellung des Sony XPERIA Active. Ohne Firmen wie diese wären unabhängige Tests in dieser Form kaum möglich!


Shu

 
Tech-Journalist, Blogger, Social Media Manager und digitaler Nomade. Ein wenig Apple vernarrt, aber auch offen für andere Plattformen & Ökosysteme.