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Posted 1. Dezember 2011 by Sebastian in Artikel
 
 

Sony Ericsson XPERIA Active und Ich – Die ersten Wochen

se_anjacke
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Rund 1.500 Kilometer haben wir auf dem Buckel. Diese Strecke hat mich das von getgoods.de zur Verfügung gestellte Sony Ericsson XPERIA Active nun auf meinen Kurierfahrten für rhn.de begleitet, und auch im Leben abseits der Straße und Radwege nicht von mir abgelassen. Wir haben Höhen erlebt und Tiefen, wir haben uns gestritten und wieder vertragen. Und wir haben eine Menge durchgemacht.

Die letzten Tage waren anstrengend. Kunden haben uns von einer Ecke der Stadt in die andere geschickt, wie immer mit der Bitte, möglichst anzukommen, bevor wir mit den Waren im Rucksack abgefahren sind. In so einer Atmosphäre macht sich das bemerkbar, was schon ein erster Test am Schreibtisch zeigte. Das Mobiltelefon ist unglaublich schnell. Hatte ich bisher diesem Kriterium eher einen untergeordneten Rang zugesprochen, muss ich gestehen, dass ich eines besseren belehrt wurde. Im Alltag nicht auf die Reaktionen des Gerätes warten zu müssen, entspannt unglaublich. Oder anders herum gesagt merke ich nun, wie sehr es mich aufregte, wenn ich auf mein HTC Wildfire warten musste.

Die Software macht einen erwachsenen Eindruck. Android 2.3.4 reagiert flüssig und stabil. Das Display lässt sich gut bedienen und vor allem – und das ist wirklich bemerkenswert, um nicht zu sagen fast ein Kaufkriterium – auch wenn Wasser auf dem Display steht. Bei den meisten, nein, bei allen anderen Geräten musste ich das Display bisher trockenlegen, erst danach war eine zuverlässige Bedienung gewährleistet. Meist reichten schon Wasserschlieren aus, um eine vernünftige Reaktion des Displays auf Berührung zu verhindern. Das Sony Ericsson XPERIA Active hingegen scheint immer zu funktionieren. Ich habe kleine Wassersprenkler auf das Display gebracht, große Tropfen, gezogene Schlieren – nichts scheint es aus der Ruhe zu bringen. Es reagiert sauber und gibt über die Gerätevibration eine angenehme Rückmeldung. Wer dies nicht mag, kann diese Funktion natürlich deaktiveren.

Und doch kann ich ausgerechnet die Touchfähigkeit nicht ohne Kritik lassen. Bisher ungefähr alle zwei Tage passiert es, dass das Display ganz offensichtlich eine Bedienung erkennt, obwohl keine Berührung des Displays stattfindet. Das Telefon führt nach dem Einschalten des Displays beinahe einen wilden Tanz auf, der seinen Ursprung in massenhaften Vibro-Rückmeldungen hat. Erst ein Ausschalten des Displays, ein intensives Putzen und ein erneutes Einschalten kann diesen Zustand beenden. Immerhin muss kein vollständiger Neustart ausgeführt werden. Ob diese Überempfindlichkeit der Touchbedienung den positiven Eigenschaften gegenüber Wasser geschuldet ist, kann ich nicht beurteilen. Nervig ist das Verhalten allemal, zudem mehr als einmal damit ein Anruf abrupt beendet wurde.

Sichtbare Schäden hat das Telefon bisher nicht davongetragen. Allerdings trage ich es meist um den Hals, die Armbinde – die noch in einem der nächsten Berichte ausführlich Thema sein wird – hat mich bisher überhaupt nicht überzeugt. Durch die große und markant eingearbeitete Lasche am Gerätegehäuse lassen sich allerdings vielfältige Sicherungssysteme direkt am Telefon befestigen, ich habe mich für ein Schlüsselband mit zwei “Fangleinen” entschieden. Das Telefon selbst trage ich unter meiner Jacke und habe die Kopfhörer zur Navigation im Ohr. Das wird sich bald ändern, dann werde ich das Mobiltelefon außen am Rucksack tragen, um einen schnelleren Zugriff zu haben, doch zurzeit möchte ich erst die Software unter genauer Beobachtung wissen. Außerdem regnet es zurzeit nicht, das kann von meiner Seite auch noch so bleiben. Damit ist die echte Ourdoor-Fähigkeit ohnehin nur eingeschränkt zu testen.

Beim Headset hat Sony Ericsson gute Arbeit geleistet. Die In-Ear-Kopfhörer sind qualitativ hochwertig. Musik, die über den USB-Port auf dem Telefon landet und erstaunlich schnell aufgespielt werden kann, ist angenehm zu hören, sofern man die Kopfhörer wirklich ins Ohr drückt. Trägt man sie nur vor dem Gehörgang, gehen praktisch alle Bässe verloren. Für eine zuverlässige Navigation ist das nicht wichtig, und ich höre den Straßenverkehr besser. Im Kurier-Einsatz höre ich ohnehin keine Musik. Die Ohrbügel lassen sich an dem Headset wahlweise anbringen oder abnehmen – ich habe sie immer angebracht. Sie halten den Kopfhörer zuverlässig im und am Ohr, hier gibt es nichts auszusetzen.

Vollkommen unverständlich ist allerdings die Tatsache, dass die Kopfhörer Platz in einer Buchse des Telefons finden, die unter der wasserfesten Abdeckung liegt. Beim Anschluss des Ladegeräts muss eine Klappe der Wasserschutzhülle weggeklappt werden. Nach dem Laden wird die Klappe wieder geschlossen, die Wasserdichtigkeit ist wiederhergestellt. Doch dass der Kopfhörer mit integriertem Headset der gleichen Logik folgt, macht ihn im Regen unbrauchbar, und nicht nur ihn, sondern jedes drahtgebundene Modell. Damit bleibt nur aus Ausweichen auf Bluetooth. Vielleicht ist es ein schwacher Trost, dass das Headset ohnehin sehr anfällig für Windgeräusche und damit auf dem Rad nur begrenzt von Nutzen ist. Die Lautstärke des Außenlautsprechers des Mobiltelefons selbst erlaubt es. die Navigationsanweisungen auch zu verstehen, wenn das Gerät am Rucksackträger befestigt wird – aber das werde ich erst noch ausführlicher testen müssen. Soviel sei vorweg genommen: Ganz ohne Kritik geht auch das nicht über die Bühne.

Die Laufzeit des Telefons hingegen unterscheidet sich praktisch nicht von der anderer Geräte. Ein Dauerbetrieb mit eingeschaltetem GPS und Navigation macht das Gerät etwa drei Stunden mit, dann verlangt es nach einem Ladegerät. Das ist leider ein durchschnittlicher Wert und zeigt, wieviel Arbeit die Hersteller noch auf dem Weg zu wirklichen Arbeits-Tieren für unseren Berufsstand vor sich haben. So hält mein autarkes Garmin GPS-Gerät mit Farbdisplay und Kartendarstellung mit zwei Mignon-Batterien geschlagene 24 Stunden, inkl. eingeschaltetem Display ohne Beleuchtung, bevor es des Dienst quittiert. Hinter dieser Tatsache bleibt mir der Akku-Killer GPS nach wie vor unverständlich. Ein externes Ladegerät auf Akkubasis – ein sogenanntes USB-Powerpack – schafft zurzeit Abhilfe, sowie ein konsequentes Anstöpseln an jede zur Verfügung stehende Steckdose.

Platz für einen größeren Akku hätte Sony Ericsson im XPERIA Active finden können. Zwar sind die Maße des Telefons so gehalten, dass es sich angenehm mitführen lässt, doch es trägt schon mächtig auf und ist deutlich dicker als seine Mitstreiter aus gleichem oder anderem Haus. Sicherlich, es verfügt über zwei Hüllen, die innere schließt wasserdicht ab, die äußere verhindert auch bei Stößen eine Beschädigung der Innenhülle. Gefühlt liegt dort einiges an Luft zwischen – ein Ersatzakku hätte der Outdoor-Funktionalität gut gestanden.

Wir beide werden langsam warm – der Outdoor-Kandidat und ich. So werden wir nun beginnen, auch härtere Prüfungen anzugehen und hoffen beide, die zu bestehen. Denn bei aller Kritik zeichnet sich bereits jetzt ab: Alternativen gibt es bisher nicht, die dem Gerät die Stirn bieten können. Und sollte der Dezember nicht genauso trocken sein und alle Rekorde seit der Wetteraufzeichnung brechen, werden wir uns bald durch Wasser und Schnee kämpfen. Und Ihr bekommt eine weitere Episode unseres Zusammenlebens zu lesen!


Sebastian